Die ersten Eindrücke mit Mac OS X Snow Leopard

Seit über einer Woche ist Apples neues Betriebssystem nun erhältlich. Und Mac OS X 10.6 Snow Leopard macht einen guten ersten Eindruck. Der folgende Testbericht soll Ihnen helfen, sich einen ersten Überblick über das neue Betriebssystem Snow Leopard zu verschaffen.

 

Installation und Inbetriebnahme

Apple meint es mit dem Umweltschutz immer besser. Nach Mac OS X Tiger und Leopard wurde die Verpackung zu Snow Leopard abermals schlanker, so auch der Inhalt. Neben der DVD und den üblichen Apple-Klebern finden sich nur spärliche Informationen. Ein umfangreiches Booklet vermissen aber wohl die Wenigsten.

Die Installation ist beim Upgrade von Leopard auf Snow Leopard bei diesem Major-Update sehr rudimentär gehalten. Der Installer bietet nur die Möglichkeit zum Upgrade. Aus früheren Updates bekannte Optionen wie Archivieren und installieren gibt es nicht mehr. Wer sein System von Grund auf frisch installieren will, muss die Festplatte vorher mittels DVD und Festplattendienstprogramm formatieren. Andernfalls ersetzt die Installation schlicht alle alten Dateien mit den neuen, wobei nur Altlasten und Dateien von Drittherstellern und natürlich den persönlichen Daten und Programmen liegen bleiben.

Apple bietet die Möglichkeit, Druckertreiber, Sprachen und Systembestandteile zu definieren (über den Button Anpassen). Wer beispielsweise noch PPC-Software nutzen möchte, muss zwingend Rosetta auswählen! Nicht benötigte Sprachen können jedoch getrost abgewählt werden. Dasselbe gilt für Druckertreiber. Diese lassen sich bei Bedarf noch immer nachträglich installieren oder aus dem Internet laden.

Für die meisten Nutzer dürfte ein Upgrade völlig ausreichend sein. Auf unserem Testsystem dauerte dies rund 35 Minuten.

Wer von Leopard auf Snow Leopard umsattelt, fühlt sich direkt zu Hause, merkt eventuell erst gar keinen Unterschied. Nur das neue Aurora-Wallpaper und die blasseren, inaktiven Symbole in der Menubar fallen ins Auge. Möglicherweise fällt einem auch der erhöhte Gammawert auf. Dieser liegt nun per Default bei 2.2 anstelle der früheren 1.8, um dem Industriestandard und der Windows-Welt gerecht zu werden.

Erste Schritte des jungen Schnee-Leos

Optisch hat sich nicht viel getan. Auffallend ist jedoch die Reaktionsgeschwindigkeit des Systems. Apple hat es geschafft, alle Abläufe noch etwas zu verschnellern. Das Starten von Programmen und des Systems allgemein wurde merklich zügiger. Ganz zu schweigen vom blitzschnellen Ausschalten. Das komplette Ansprechverhalten wurde verbessert, auch das des Finders, welcher nun erstmalig in Cocoa und 64-Bit vorliegt.

Das Dock gibt sich im gewohnten Look. Nur die Menüs kommen im Transparentlook daher und passen zu Stacks. Stacks wiederum gibt sich optisch gewohnt, kann in der Gitteransicht nun jedoch selbstständig, ohne Hilfe des Finders, die untergeordnete Ordner öffnen und deren Inhalt anzeigen.

Wer etwas länger auf ein Programmicon im Dock klickt, erhält gleich eine Exposé-Übersicht der geöffneten Fenster des jeweiligen Programms. Im Allgemeinen verhält sich die mit Tiger eingeführte Funktion jedoch immer noch identisch.

Dazu erwähnt sei gleich der Papierkorb. Dieser kann nun erstmalig bei OS X die darin befindlichen Dateien wieder an ihren Ursprungsort zurück legen.

Auf Wunsch kann in den Systemeinstellungen zum Dock definiert werden, dass minimierte Fenster nicht mehr links neben den Papierkorb abgelegt werden, sondern hinter dem Programmicon verschwinden. Das Feature spart Platz im Dock, lässt offene Fenster aber auch gerne schnell vergessen.

 

 

 

 

QuickTime X

 

Wenn man das X im Namen als Zahl 10 hernimmt, macht QuickTime einen riesigen Satz. Nur sagen Zahlen nicht immer viel aus. So kommt der QuickTime X Player zwar chic wie nie zuvor daher, kann jedoch noch fast gar nichts.

Apple hat den Medienplayer, der schon seine Jahre auf dem Buckel hat, nahezu zu einer reinen Wiedergabesoftware gestaltet. Dies beherrscht QuickTime jedoch mit Bravur. Filme werden neu in einem Fenster ohne Rahmen dargestellt. Bewegt man die Maus darüber, erscheinen Fensterrahmen mit der bekannten Ampel und die wichtigsten Navigationsbuttons. Über diese erreicht man auch den Trimmer, mit dem sich Filme blitzschnell kürzen lassen, um diese gleich direkt nach iTunes, YouTube oder MobileMe zu senden. Die Exportfunktionen hat Apple leider weit beschnitten. Optionen für das iPhone, den iPod, Apple TV und HD-Auflösungen sind übrig geblieben. Selber Hand anlegen bei den Einstellungen darf der Nutzer nicht mehr.

Wer die Pro-Funktionen von QuickTime 7 benötigt, kann dieses bei der Installation von Snow Leopard anwählen. Leider ist nicht bekannt ob, wann und wo Apple das neue QuickTime X mit gewohnten Pro-Funktionen ausstattet.

Flink, flinker, Snow Leopard?

Einige Performanceverbesserungen wurden in diesem Bericht bereits angesprochen und fallen auch den meisten Nutzern direkt auf. Apple verspricht mit Grand Central Dispatch, OpenCL und 64-Bit ein völlig schnelleres Mac OS X. Auch sollen das Time Machine Backup und das Verbinden zu drahtlosen Netzwerken schneller vonstatten gehen. Diese Geschwindigkeitsverbesserungen variieren natürlich von Mac zu Mac.

Erste Benchmarks von Dritten zeigen, dass besonders OpenCL einen starken Schub bringen kann. Hierfür wird die leistungsstarke Grafikkarte genutzt, um die CPU zu entlasten.
Die bessere Performance zeigt sich beim Exportieren von QuickTime-Filmen, beim erstellen von Diashows oder beim Authoren von DVDs. So wird auch die Arbeit mit iLife flotter und macht gleich nochmals mehr Spass.

Da nun auch das komplette System in 64-Bit vorliegt, ist man für die Zukunft gewappnet.

Bitte prüfen Sie direkt bei Apple die Systemanforderungen, um entsprechende Funktionen nutzen zu können. Besonders OpenCL wird bisher nur von ausgewählten Grafikkarten unterstützt.

Details bei iChat

Apples Instant Messenger iChat wurde nur im Detail verbessert, soll aber ebenfalls Erwähnung finden. Sowohl Videochat als auch iChat-Theater sind neu nahezu durchs Band mit einer Auflösung von 640×480 Pixeln möglich.

Wo Sonne scheint, da ist auch Schatten

Neben winzigen und nicht störenden Optikfehlern bietet Mac OS X 10.6 Snow Leopard leider noch immer bekannte und womöglich gar absichtliche Schwächen (im Vergleich zum eigentlichen Vorgänger Tiger).

So verweigert das Dock weiter die laufende Anzeige von Filmmedien, wenn man diese minimiert. Zugegeben, das war unter Tiger mehr eine optische Spielerei und ein Hingucker, aber genau darauf steht ein Mac-User doch auch ein bisschen.

Wer sich ab Front Row in Leopard gestört hat, wird auch Front Row in Snow Leopard nicht mögen. Zu diesen Leuten zählt auch der Autor dieses Berichts. Die iTunes- resp. Musik-Wiedergabe wird weiterhin nervenderweise unterbrochen. Nicht zu erwähnen die viel zu kleine Schrift im Vergleich zum Tiger-Front Row.

Spotlight blieb ebenfalls praktisch unverändert. Neue Suchoptionen hat Apple dem Helferlein spendiert, leider die Details noch nicht auskuriert. Über das Suchfenster in der Menubar sucht Spotlight weiterhin keine Systemdateien (und lässt sich auch nicht einstellen) und findet keine Fragmente von Telefonnummern. Wer nur die letzten vier Ziffern im Kopf hat, kommt also auch bei Snow Leopard nicht sehr weit. Tiger konnte dies mühelos.

Grössere Bugs und Probleme gab es jedoch bei unseren ersten Teststunden keine. Dennoch ist klar, dass Apple bereits fleissig an Mac OS X 10.6.1 arbeitet und dieses sicherlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Exchange für den Mac im Unternehmen

Der Hersteller aus Cupertino hat der jüngsten Raubkatze das Sprechen mit Microsofts Exchange-Servern beigebracht. Mail, iCal und Adressbuch können nun nahtlos auf Serverinformationen in einer Windows-Umgebung zugreifen. Leider müssen wir unsere Leser um Verständnis bitten, da wir diese Features aufgrund mangelnder Hard- und Software nicht testen können. Sollte diese in Zukunft noch möglich sein, werden wir einen entsprechenden Bericht selbstverständlich nachreichen. Gerne bereiten wir auch Erfahrungsberichte von Exchange-Nutzern auf.

Fazit

Es gibt eigentlich nicht viel Abschliessendes zu sagen. Leopard-Nutzer dürfen nur kein gänzlich neues, sondern ein konsequent überarbeitetes System erwarten. Bei den Preisangeboten kann man Snow Leopard ohne zu zögern kaufen. Besitzer von Leopard erhalten mit läppischen CHF 39.- ein neues, zukunfssicheres Betriebssystem mit mehr Leistung, Tiger-Nutzer mit Intel-Mac erhalten das Mac Box Set mit Snow Leopard, iLife ’09 und iWork ’09 für nur CHF 219.-.

Vielen Dank an Apple Schweiz für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar