Das Schweizer Mac Jahr 1997

1997, das Jahr vor der weltweiten Einführung des iMacs, stand ganz im Zeichen von Mac OS 8 und Rhapsody.

Am 23. Dezember 1996, kurz vor Weihnachten, verkündete Apple, dass man für 400 Millionen US-Dollar die Firma NeXT Software Inc. übernehmen würde. Der Apple-Mitgründer, Steve Jobs, war damals Chairman und CEO von NeXT und kehrte somit zu Apple zurück. Jobs hatte die Aufgabe direkt an Dr. Gilbert F. Amelio, Apple’s Chairman und CEO, zu rapportieren. NeXT und deren Betriebssystem NEXTSTEP sollte Apple dazu verhelfen, ein neues und äusserst leistungsfähiges Betriebssystem auf den Markt zu bringen.

Die neue Betriebssytem-Strategie stand somit im Mittelpunkt der Macworld Expo San Fransisco, die schon im Jahr 1997 anfangs Januar stattfand. Die Macworld Expo in San Francisco gibt uns die Gelegenheit, einen neuen Abschnitt in der Unternehmensgeschichte von Apple darzustellen, erklärte Dr. Gil Amelio. Apple startete eine komplementäre Betriebssystemstrategie. Einerseits sollte die Entwicklung des bisherigen Betriebssystems vorangetrieben werden anderseits sollte das neue Betriebssystem separat entwickelt werden und die Computerwelt revolutionieren. Ihm wurde der Code-Name Rhapsody verpasst. Gemäss der anfangs 1997 veröffentlichten Apple Betriebssystemstrategie war geplant, das neue Betriebssystem auf der Basis von Rhapsody Ende 1998 einzuführen.

Im Frühling 1997 stand trotz schlechter Finanzlage des Unternehmens, das 20jährige Firmenjubiläum auf dem Programm. Apple hat sich dazu etwas Besonderes einfallen lassen. Mit einer limitierten Sonderedition des Twentieth Anniversary Macintosh präsentierte der Design-Trendsetter ein futuristisches Entertainment-Center, das Rechner, TV/Radio-Station und Video-Konsole mit Original Bose-Sound vom Feinsten kombiniert und für CHF 14’000.- angeboten wurde. Das kreative Design der Power-Maschine sollte indes nicht nur eine Hymne an die Geschichte von Apple, sondern auch ein Design-Statement für die Zukunft sein. Im Innern arbeitete ein 250 MHz PowerPC-Prozessor. Daneben gab es 32 MB RAM, 2 GB Festplattenspeicher, ein 1.4 MB Floppy-Laufwerk und ein CD-ROM-Laufwerk. Der Bildschirm des Twentieth Anniversary Macintosh war ein 12.1 Zoll Aktiv-Matrix-Display

Am 1. Mai 1997 wurde Martin Hagger zum Geschäftsführer von Apple Computer (Schweiz) AG ernannt. Seit Oktober 1995 war er bei Apple für die Betreuung des Handelkanals in der deutschsprachigen Schweiz verantwortlich. Er übernahm die Funktion vom bisherigen Geschäftsführer Eric Meier-Rüegg.

Für die mobilen Geräte hat Apple im Mai 1997 die Newton Tochtergesellschaft gegründet.

Wie auch heutzutage noch, stand im Juni die Entwicklerkonferenz auf dem Programm, anlässlich dieser die ersten Entwicklungsschritte von Rhapsody näher erläutert wurden. Zur WWDC (Worldwide Developer Conference) erhielten die Entwickler zudem die Beta-Version von Mac OS 8.

Am 9. Juli 1997 hat Apple bekanntgegeben, dass der bisherige Chairman und CEO Dr. Gilbert F. Amelio zurückgetreten war. Apple werde sich nach einem Nachfolger umsehen. In der Übergangsphase wird Apple-Mitgründer Steve Jobs, der durch NeXT zu Apple zurückgekehrt ist, eine erweiterte Aufgabe als Hauptberater für das Apple Board und das Managementteam wahrnehmen.

Am 25. Juli 1997 wurde Mac OS 8 ausgeliefert; dies vorerst aber nur in der US-Version. Stimmen aus der Presse sowie erste Anwender äusserten sich sehr positiv über die absolute Stabilität und das deutlich höhere Tempo gegenüber Vorgängerversionen. Das neue Betriebssystem wurde auf die Leistungsfähigkeit der neuen RISC-Prozessoren optimiert. Ab dem 23. September 1997 war die Schweizer Version von Mac OS 8 verfügbar. Mac OS 8 brauchte mindestens einen CD-ROM fähigen Macintosh mit 68040-Prozessor oder einen PowerMac und kostete CHF 189.–. Schon damals war Apple auf Switcher-Fang. Bei der Rückgabe eines lauffähigen PC (>= Intel 386) gabs einen Power Macintosh 8600/9600 CHF 600.– günstiger. Ein 8600er war damals für CHF 6’748.– zu haben. Mac OS 8 wurde bereit gemacht für das Internet und gleich mit 3 Browsern, nämlich Netscape 3.0, IE 3.0 und Apple Cyberdog 2.0 ausgeliefert. Als E-Mail-Programm gab es den Claris Emailer 1.1.

Im September 1997 gab Apple ebenfalls bekannt, ab sofort keine Mac-Clones mehr zu dulden. Bis zu diesem Zeitpunkt durfte Power Computing Corporation, UMAX und Motorola Mac-Clones herstellen und vekaufen.

Mirosoft kündigte Office 98 für den Mac an und verlangte im Gegenzug von Apple den Internet-Explorer mit Mac OS zu bündeln. Das Engagement rund um die Produkte wurde von einer Investition von 150 Milliionen US-Dollar seitens Microsoft in Apple Computer flankiert.

Am 14. Oktober 1997 lieferte Apple an mehr als 10’000 Applikationsentwickler die Entwicklerversion von Rhapsody aus. Ziel war es, dass die Entwickler baldmöglichst damit beginnen sollten, ihre Software für die neue Betriebssystem-Version von Apple zu schreiben.

Im Jahr 1997 ging es Apple nicht gut. Das Unternehmen musste Ende September einen Nettoverlust von einer Milliarde Dollar bekanntgeben; im Jahr 1996 waren es ebenfalls schon 816 Millionen US-Dollar Verlust. Den Verlust begründete Apple damals mit dem Kauf von NeXT und dem Rückkauf der Mac OS-Lizenzen von Power Computing. Bereits anfangs Jahr hatte Apple ein Restrukutierungsprogramm ins Leben gerufen. Apple machte der Presse aber bereits wieder Hoffnung, da seit der Einführung von Mac OS 8 im Juli bereits 2 Millionen Lizenzen über den Ladentisch gegangen waren.

Ende Oktober kam der Message Pad 2100 zu einem Preis von ca. CHF 1’700.– auf den Markt, ein mobiles Gerät mit einem 16 Graustufen Bildschirm. Zudem war Apple an der Computermesse ORBIT 97 mit dem Slogan Only the new Macintosh could be this new präsent und präsentierte Mac OS 8 und Rhapsody.

Die Power-Macintosh-Modelle 4400, 5500 und 6500 erhielten einen grosses Produkteupdate. Üblich waren damals 16 oder 32 MB RAM, eine 2 oder 4 GB Harddisk und ein 24fach-CD-Laufwerk. Das günstigste Modell mit 16 MB RAM, 2 GB HD und einem 15-Monitor gabs für CHF 2’498.–. Den Power Macintosh 6500 (siehe Bild links) mit 300 MHz-Prozessor, 64 MB RAM, einer grosszügigen 6 GB Harddisk und einem 15-Monitor gabs für lediglich CHF 6’152.–. Für die Profiliga präsentierte Apple die Power Macintosh G3-Modelle. Ebenfalls machte das neue Macintosh PowerBook G3 Mobile Computing attraktiver als je zuvor, wie Apple damals schrieb. Der empfohlene Verkaufspreis für das Apple-Notebook lag bei CHF 11’340.–. In den USA hat Apple den Online Store eingeführt. In Europa sollte die E-Commerce-Erfahrung zuerst einmal beobachtet werden. Für den Handel war es jedoch möglich, ab sofort Geräte nach dem Built-to-Order-Prinzip für die Kunden zu bestellen.

Gegen Ende des Jahres 1997 fing sich das Internet in der Schweiz langsam an zu etablieren. Einzelne Haushalte waren bereits ans Internet angeschlossen. Auch etablierte sich die Initiative Schulen ans Internet. Dabei wollte sich vorallem Microsoft profilieren und stellte 5000 Gratislizenzen von Windows 95 zur Verfügung. Der Provider Blue Window hat zusammen mit Cisco ein Internet-Anschlusskit mit 128-Kilobit-Standleitung, Router und benötigter Software zusammengestellt. Die damalige Telecom PTT hatte die Telefontarife auf August 1997 gesenkt. Doch auch damals kostete das Surfen (nur Nutzung Telefonleitung und exkl. Gebühren für Provider) in der Stunde ganze CHF 4.–. Heute surft man zu diesem Tarif mobil mit dem iPhone fast einen ganzen Tag lang…

 

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